Für Singende Krankenhäuser in Slovenia

Vom 13.-22. Mai veranstaltete der slowenische Verbund für öffentliche Kulturarbeit , JSKD,  in Ljubljana eine Veranstaltungsreihe zu Amateur -Chormusik. Über 1000 Veranstaltungen in einer Woche- das ist ein beeindruckendes Zeugnis für die weit verbreitete Sing- ud Chorkultur in Slowenien. Zum ersten Mal wurden in diesem Rahmen auch weitere soziale, unterstützende Aspekte des Singens in den Fokus gerückt.

Singen auf Rezept“ lautete das Motto des Runden Tisches, bei dem Vertreter verschiedener Bereiche über die heilsamen Aspekte des Singens in Austausch kamen.

Ideengeberin war Frau Mihela Jagodic, Leiterin der Abteilung für Chormusik, die zutiefst von der umfassenden Wirkung des gemeinsames Singens überzeugt ist. In Vorgesprächen berichtete sie dass sie seit Jahren das soziale Potential des Singens sehe, aber nie „Beweise“ gehabt hätte. Hier war ich wirklich dankbar zu erkennen was für eine Fülle an zusammengetragenen Informationen uns bei SiKra zum Thema SingForschung bereit gestellt wird wie hilfreich es ist.

Mihela Jagodic eröffnete den Abend vor einem ausverkauften Saal mit Erlebnissen aus dem (Sing)Alltag: Wie kann es sein, dass Menschen sich nach anstrengenden Arbeitstagen abends zu einem weiteren verpflichtenden Termin in eine Chorprobe setzen und anschliessend mehr Energie haben als vorher? Was steckt dahinter, wenn Menschen die sich eher als schüchtern begreifen, über die Jahre in einem Chor an Selbstbewßtsein gewinnen und selbstsicherer im Kontakt sind? Wie kommt es, dass Menschen mit Demenz beim Hören von Liedern einstimmen und wieder den Zugang in die Sprache finde, textsicher ganze Lieder mitsingen können?

Mit dieser „emotionalen Steilvorlage“ übergab sie den Redestab an TV Moderatorin Ana Tavcar- Petrovic, selber langjährige Sängerin, die stimmungsvoll und spritzig zwischen den verschiedenen Erkenntnis- und Erfahrungsfeldern von uns geladenen Gästen modulierte. Zu nennen sind hier die Gäste:

Dr. Katarina Habe, Sängerin und Lehrende Musikpsychologin mit dem Schwerpunkt Neuropsychologie in Maribur,

Damjana Zupan, Musikpädagogin it ganzheitlichem, körperorientierten Ansatz am Konservatorium für Musik und Tanz und

Blaz Roijko- Sozialarbeiter, Soziologe und Chorleiter mit vielen sozialen Chorprojekten für Arbeitslose und Kinder. Als vierte im Bunde hatte ich die Freude, die Arbeit und Vision von Singende Krankenhäuser, bzw. die gesundheitlichen Effekte des Singens vorzustellen.

Die Stimmung zwischen uns „Vieren“ war von Anfang an sehr herzlich, offen und interessiert. Es war spannend für mich, Fragen der Moderatorin nach wortwörtlicher „Heilung“ durch Gesang gestellt zu bekommen und den Bogen zur inneren Haltung die uns in unserer Arbeit leitet, einer Unterstützungskultur in jeder Hinsicht, zu spannen. Diese Haltung war wohl den Rednern, aber längst nicht bei allen Mediznern vertraut.

Ganz deutlich wurde in allen Beiträgen: gemeinsames Singen kann Quelle für heilsames Erleben, Erfahrung von Gemeinschaft, Sinnerleben sein und die Persönlichkeit stärken- solange es frei von Leistung und Erwartungsdruck ist. Das zeigen im positiven Sinne Projekte von Blaz Roijko, der im Arbeitsamt Gesuche nach neuen Chormitgliedern aushing und viel Zulauf erhielt, sowie unsere vielfältigen Erfahrungen der Singgruppen und Singangebote in Gesundheitseinrichtungen. Es gibt aber auch traumatische musikalische Erfahrungen, die Damjana Zupan in ihrer Arbeit mit Musikschülern aufgreift und konstruktiv umwandelt.

Wie sehr Musik und Gesang dem Gehirn hilft, als Ganzes zu arbeiten und die Hemisphären dabei eng miteinander kooperieren, ist das Spezialgebiet von Katarina Habe.

Sie motiviert mittlerweile alle Studenten dazu, über die Wirkungen des Singens zu forschen und legte gleichzeitig eine beeindruckend natürliche Haltung an den Tag, als sie nach herausragenden Forschungsergebnissen ihrer Forschung gefragt wurde. Ich gebe das aus dem Englischen übersetzt hier wieder:

Ich bitte sie, um all diese Ergebnisse nicht zu viel Wirbel zu machen. Tatsächlich ist das Singen eine der natürlichsten Ausdrucksweisen des Menschen. Menschen haben schon immer miteinander gesungen um sich auszudrücken, Gemeinschaft zu erfahren, sich zu heilen. Wir haben das verlernt und tun nun so als ob wir es neu entdecken. Tatsächlich war es schon immer da. Denken Sie also nicht zu viel an diese ganzen Ergebnisse- singen sie einfach!“

Das taten wir denn auch- ich durfte mit einem kurzen stimmungsvollen Warm Up die Zuhörer in Bewegung bringen und den Unterschied zum Chorsingen praktisch erfahrbar machen.

So begegneten sich die Saalgäste im Kanon mit „I am here with you, you are here with me. We are together, we are one when we sing with all our hearts“, was zu anhaltender Herzlichkeit und viel freudiger Schwingung unter den Anwesenden führte.

Weiter entspann sich ein Austausch über das Paradoxon des Singens- wie schlicht es auf der einen Seite ist- und wie komplex, wirkungs- und gehaltvoll wenn wir beginnen näher zu forschen und zu untersuchen, und dass es für einzelne Zielgruppen sinnvoll und richtungsweisend ist, bestimmte Parameter herauszuheben.

Das Thema stiess beim Publikum insgesamt auf großen Zuspruch: der Raum war bis auf dem letzten Platz besetzt- unter den Besuchern zwei Musiktherapeutinnen, Ärzte, Journalisten und Chorsänger mit Bezug zu sozialen/gesundheitlichen Arbeitsfeldern. Das Interesse an der Weiterbildung, der Vernetzung untereinander- den Forschungszentren und den Chorverbänden, ist groß, und Slowenien bringt mit seiner Fülle an singfreudigen Menschen

einen fruchtbaren Boden für eine echte Pionierarbeit im Gesndheitswesen mit.

Welche Strukturen es braucht, welche genutzt werden können, wie offen die Entscheidungsträger sind- das wird sich zukünftig weisen. In jedem Fall ist den Veranstaltern ein echter Coup in Sachen Öffentlichkeitsarbeit gelungen. Sonst fast nie von den Medien beachtet, gab es in diesem Rahmen ein Radio und zwei TV Interviews zum Thema Singende Krankenhäuser. Was auch für mich eine schöne Anekdote bleiben wird, wann sieht man sich schon einmal mit Gitarre auf einer pitoresken Brücke in Ljubljana stehen und heilsame Lieder in eine Fernsehkamera singen? Liebe Daniela Sauter de Beltré: nun wandert Dein Lied also auch durch Slowenien!

Wir können uns nur glücklich schätzen, wenn die Vision des weltweiten Netzwerkes in Europa wächst und Slowenien das nächste Land mit Singenden Gesundheitseinrichtungen wird – vielleicht entwickeln sich eigene „Tonarten“ von Land zu Land, wir werden sehen wie der Same sich entwickeln mag. In jedem Fall aber soll das Singen verbinden – und uns zu uns selbst und dann wieder zueinander führen. Ich danke von Herzen für das Vertrauen, die „frohe Botschaft“ weitertragen zu dürfen – ich hatte viel Freude am Vernetzen und Inspirieren und natürlich: am

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